Zwischenbericht vom heutigen Wettbewerbstag
Die Spannung bei den 40. FAI World Gliding Championships steigt weiter an. Heute steht die 18-Meter-Klasse als erste Klasse im Feld und fliegt eine 3:30-Stunden-AAT mit Sektoren von 15, 25, 22, 20 und 30 Kilometern. Die Aufgabe führt erstmals ausschließlich nach Osten und Südosten. In diesem Bereich werden weiterhin ähnliche Wetterbedingungen wie am gestrigen Tag erwartet, sodass dort grundsätzlich gute Bedingungen vorhanden sein sollten.
Die Aufgaben der Offenen Klasse sowie der 20-Meter-Doppelsitzerklasse ähneln sich weitgehend. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass dort jeweils eine auf drei Stunden reduzierte AAT ausgeschrieben wurde.
In der 18-Meter-Klasse hat sich das deutsche Team heute für eine taktische Variante entschieden, die durchaus Potenzial hat. Ob diese Strategie letztlich aufgeht, wird sich allerdings erst im weiteren Tagesverlauf zeigen. Die deutschen Piloten aller drei Klassen sind mittlerweile abgeflogen.
In der 20-Meter-Doppelsitzerklasse sieht der bisherige Verlauf sehr vielversprechend aus. Bis zum ersten Wendepunkt läuft alles nach Plan und das Team ist mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. Ähnlich präsentiert sich die Situation in der Offenen Klasse. Dort scheint die Abflugzeit nahezu identisch mit der von Sebastian Kawa gewählt worden zu sein, sodass die Unterschiede aktuell sehr gering sind.
Besonders erfreulich ist, dass in den ersten drei Sektoren weiterhin Wolken zur Verfügung stehen. Entsprechend werden derzeit noch sehr hohe Schnittgeschwindigkeiten beobachtet. Die Auswertungen über GliderTracker, GlidingNet, Flarm und die weiteren Tracking-Systeme zeigen bislang einen schnellen und flüssigen Rennverlauf.
Die eigentliche Herausforderung dürfte heute der letzte Schenkel gegen den Wind werden. Dort lassen die Wolken voraussichtlich nach, wodurch die Bedingungen schwieriger werden könnten als im bisherigen Tagesverlauf.
Trotz der hohen sportlichen Bedeutung des heutigen Tages bleibt das deutsche Team insgesamt erstaunlich entspannt. Die Konzentration liegt auf den eigenen Leistungen und einem sauberen Flug. Die bisherigen Eindrücke stimmen zuversichtlich, sodass man den Ergebnissen mit Optimismus entgegensieht.
Mathias Schunk hat zwischenzeitlich den Puls des Bundestrainers kontrolliert. Das Ergebnis: 82 Schläge pro Minute.
Wir konzentrieren uns nun auf die letzten Rennstunden und melden uns nach den Landungen hoffentlich mit positiven Nachrichten und den entsprechenden Ergebnissen zurück.
Die Enttäuschung in der Offenen Klasse ist heute groß. Über weite Strecken des Tages sah es nach einem hervorragenden Ergebnis aus. Die Ausgangslage war vielversprechend, die Geschwindigkeit stimmte und wir waren überzeugt, dass wir um den Tagessieg mitfliegen würden.
Umso bitterer ist das Ergebnis am Ende des Tages. Auf den letzten Kilometern verlieren wir den Anschluss und müssen feststellen, dass heute deutlich mehr möglich gewesen wäre. Statt eines möglichen Tagessieges stehen nach aktuellem Stand lediglich die Plätze zwei und drei zu Buche.
Das ist aus unserer Sicht heute eine klare Enttäuschung. Gerade weil die Voraussetzungen, die Vorbereitung und auch der größte Teil des Fluges sehr gut waren, schmerzt dieses Ergebnis besonders. Solche Tage gehören leider zum Leistungssport dazu. Heute überwiegt zunächst einmal der Frust über die verpasste Chance.
Auch in der 18-Meter-Klasse gelingt es Mario Kießling und Stefan Langer heute nicht, den Franzosen entscheidend Punkte abzunehmen. Im Gegenteil: Wir haben das Risiko bewusst hoch gewählt und diese Wette heute leider verloren. Damit bleibt es in der Gesamtwertung bei den Plätzen drei und vier.
Weltmeister
Die positive Nachricht des Tages kommt aus der 20-Meter-Doppelsitzerklasse: Jan Omsels und Karsten Leucker sind Weltmeister!
Mit einer beeindruckenden Leistung über die gesamte Weltmeisterschaft hinweg gelingt es den beiden, sich gegen ein außerordentlich starkes internationales Teilnehmerfeld durchzusetzen. Konstanz, Geschwindigkeit, hervorragende taktische Entscheidungen und eine geschlossene Teamleistung sind die Grundlage dieses großartigen Erfolgs.
Der Weltmeistertitel in der 20-Meter-Doppelsitzerklasse geht damit nach Deutschland. Für Jan Omsels und Karsten Leucker ist dies die verdiente Belohnung für eine herausragende Meisterschaft.
Das gesamte deutsche Team freut sich über diesen großartigen Erfolg und gratuliert unseren neuen Weltmeistern herzlich.
ALLES ANDERS!
Zweimal Weltmeister – und was für ein Finale!
Unglaublich. Es kam am Ende doch ganz anders als gedacht.
Eigentlich waren wir bereits davon ausgegangen, dass Sebastian Kawa sich den Weltmeistertitel in der Offenen Klasse gesichert hatte. Wir hatten ihm bereits persönlich zu seiner außergewöhnlichen Leistung gratuliert. Auch das polnische Fernsehen feierte ihn bereits als neuen Weltmeister. Nach diesem Flugtag schien alles entschieden.
Doch dann kam die Nachricht, die alles noch einmal auf den Kopf stellte.
Karstens Frau Clara war bereits dabei, erste Sachen abzubauen, als eine Nachricht von Enrique Levin eintraf. Die Information war so überraschend wie entscheidend: Sollte der letzte noch ausstehende Pilot außerhalb der Geschwindigkeitswertung liegen, würde sich die Berechnungsgrundlage der Geschwindigkeitspunkte ändern – und plötzlich könnte es für Felipe Levin doch noch reichen.
Zunächst wollte das niemand so recht glauben.
Doch wenige Minuten später sah man bereits Mathias Schunk über das Gelände hüpfen. Die Wertung war veröffentlicht.
Felipe Levin ist Weltmeister!
Innerhalb weniger Minuten wandelte sich die Stimmung von Enttäuschung zu völliger Fassungslosigkeit und anschließend zu grenzenloser Freude. Die Dramatik dieses Moments lässt sich kaum beschreiben. Die Emotionen im deutschen Team waren überwältigend.
Damit gewinnt Deutschland gleich zwei Weltmeistertitel:
- Weltmeister in der Offenen Klasse: Felipe Levin
- Weltmeister in der 20-Meter-Doppelsitzerklasse: Jan Omsels und Karsten Leucker
Zusätzlich geht auch die Teamwertung an Deutschland.
Trotz aller Freude möchten wir auch unseren sportlichen Respekt ausdrücken. Sebastian Kawa hat heute einen außergewöhnlichen Flug gezeigt. Mit seinem beeindruckenden Geschwindigkeitsschnitt hat er einmal mehr bewiesen, warum er seit vielen Jahren zu den besten Segelfliegern der Welt gehört. Wir haben ihm bereits zu seiner Leistung gratuliert und werden darauf in den kommenden Interviews noch ausführlicher eingehen.
Auch in der 18-Meter-Klasse wurde heute auf höchstem Niveau geflogen. Dort haben wir alles auf eine Karte gesetzt. Die Franzosen haben sich am Ende verdient durchgesetzt. Besonders Victor Mallick hat eine beeindruckende Weltmeisterschaft geflogen. Der erst 26-jährige Franzose überzeugte nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. Nach Gesprächen mit Eric Napoléon bleibt vor allem der Eindruck eines außergewöhnlich bescheidenen und gleichzeitig herausragenden Piloten. Zu diesem Weltmeistertitel gratulieren wir ihm ausdrücklich.
Wir sind überglücklich.
Weitere Berichte, Bilder und Hintergrundgeschichten folgen in den kommenden Tagen. Für heute müssen wir uns entschuldigen – der Abschlussabend wartet bereits.
Grüße aus Polen
Das Deutsche Team