Ich weiß: Man soll ja bekanntlich abwarten, wer als Letzter lacht. Aber ich finde, wenn man am vorletzten Tag lachen kann, dann ist das immerhin auch schonmal etwas. Und wenn ich mich hier im deutschen Camp so umsehe, dann lacht heute Abend quasi fast jede/r.

"The Germans have the best condition", habe ich die Briten vorhin sagen hören. Vielleicht liegt es unter anderem wirklich an unserer Ausdauer und der Tatsache, dass manche anderen Pilotinnen langsam müde werden. Jedenfalls hat sich unsere Position in allen Klassen heute so drastisch verbessert, dass unsere Pilotinnen nun mit einer ganz ordentlichen Ausgangslage in den morgigen, letzten Wertungstag starten können.

Aber alles der Reihe nach: Heute wieder eine relativ warme Luftmasse, die anfangs blau und später mit guten, relativ hohen Wolken gezeichnet war. Stellenweise Ausbreitungen, stellenweise Abtrocknungen - und ein nicht allzu spätes Thermikende.

Wahrscheinlich lag es an dem relativ extremen Abflugpoker gestern - jedenfalls waren die Racing-Aufgaben heute für alle Klassen ziemlich lang, so dass viele sie als "echt sportlich" bezeichneten. Die Clubklasse bekam 338 km, die Standardklasse 354 und die 18m-Klasse 421 km. Im Schnitt waren dies die bisher längsten Aufgaben des Wettbewerbs. Viel Zeitreserve zum Warten sollte nicht bleiben.

Die Clubklasse schlug sich tatsächlich mit einer gewissen taktischen Wartezeit, aber nicht zu spät los. Die Basishöhen waren schon anfangs über 2000 m MSL und vielerorts schon mit Wolken gezeichnet. Unsere drei (durch Angelika's Ausfall sind es ja nur noch drei) Damen berichten, dass sie den Pulk quasi "um die Aufgabe herum führen" mussten, da wenig Eigendynamik bestand. Scheinbar versuchen einige Pilotinnen nur noch, nichts zu verlieren, und haben sich mit dem aktuellen Stand abgefunden. Ähnlich wie gestern in der 18m-Klasse war es heute in der Clubklasse der sehr frühe Abflug (diesmal der Britinnen), der sich massiv lohnte und zum Tagessieg führte. Trotzdem holen Sarah und Sabrina heute ca. 970 Punkte, Ines immerhin 860. Und nun die Hammer-Nachricht, die uns wirklich ziemlich heftig getroffen hat: Die Gesamtführende Ailsa McMillan ist kurz vor dem Zielkreis außengelandet und verliert daher heute gut 500 Punkte. Einerseits ist dies das beste, was unserer Clubklasse passieren hätte können, andererseits finden wir alle: Ailsa, die die letzten zwei Wochen sehr konsequent, selbstständig und souverän geflogen ist, hätte ihren ersten Platz verdient gehabt. Wir finden es wirklich schade. Mit ihrem WM-Titel ist es nun leider definitiv vorbei - dafür übernimmt Sabrina nun einen Tag vor Schluss die Führung! Sarah rückt auf den dritten Platz vor, Ines liegt auf dem achten.

Die Standardklasse hatte einen genauso guten Tag. "Wir mussten uns eben erst warm fliegen, aber jetzt am Ende läuft es einfach immer besser!", sagen Conny und Ulrike zufrieden. Im engen Teamflug haben sie es heute - gemeinsam mit einer Gruppe anderer Standardklasseflugzeuge, aber taktisch geflogen und daher mit etwas besserer Zeit - auf den zweiten und dritten Tagesplatz geschafft. Ähnlich wie in der Clubklasse hat auch hier eine Favoritin heute ihre Titelchancen verspielt: Magali de Cachard aus Frankreich ist außengelandet und verabschiedet sich damit leider von der Spitze. Auch hier ist unsere Freude sehr verhalten, und der Respekt vor ihrer Leistung trotzdem groß. Es bewirkt allerdings, dass die beiden je einen Platz gewinnen. Conny liegt nun auf dem zweiten Gesamtrang, Ulrike auf dem vierten.

Die 18m-Klasse war heute deutlich weniger nervenaufreibend zu beobachten als gestern. Machen wir es kurz: Katrin startet, Katrin fliegt ausreichend früh ab, Katrin behält die "richtige Reisegruppe" im Blick, Katrin holt zehn Minuten auf die früh abgeflogenen Französinnen auf, Katrin landet, Katrin gewinnt den Tag. Niemand im Schwabenland schimpft heute, und auch die übrigen Beteiligten haben nichts auszusetzen. So kennen wir Katrin. Und auch Sandra hat den Flug heute genossen und kommt mit 91 km/h wieder nach Zbraslavice zurück.

Morgen geht es dann also "um die Wurst". Aber es macht hier allen Pilotinnen so viel Spaß, dass der Ausdruck "es wird ernst" dabei eigentlich gar nicht fällt. Im Gegenteil: Wir freuen uns drauf, eine tolle, lange WM zu Ende zu bringen.

 

Noch eine kurze Anmerkung aus der Kategorie "Land & Leute": Wir staunen regelmäßig über die freundliche, ehrliche und nette Gastgeberschaft der Tschechen. Conny war vorgestern Abend beim Radfahren ihr Geldbeutel mit Geld und allen Dokumenten aus der Tasche gefallen. Heute bekam sie ihn wieder - ein Mann aus dem Dorf hatte ihn gefunden, war zu Fuß mehr als 3 km gelaufen um ihn zur Polizei zu bringen, und so fand der Geldbeutel völlig unversehrt wieder zurück zu Conny....

 

 

 

 

 

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