Posts from 2017-05-26

5. Wertungstag

Wenn ich vorgestern von "Spannend" geschrieben habe... was war das dann heute? Insgesamt auf jeden Fall wieder ein recht positiver Tag für das deutsche Team!

Das Wetter war heute schwer vorherzusagen, da wir uns in einer unübersichtlichen Mischungszone von Kalt- und Warmluft befanden. Noch gestern war nicht sicher, ob überhaupt Flugwetter wird, doch heute früh standen relativ gute Wolken bereit, die aber gegen Mittag während des Schleppbetriebs langsam abtrockneten. Vom meteorologischen Standpunkt her lässt sich heute der Tag durch ein ständiges lokales Auf- und Abbauen und Pulsieren beschreiben: Sehr gute Optik, dann plötzlich blau, dann wieder Aufbauend, aber sofortige Ausbreitungen, lange großflächige Totzonen, und dann wieder von vorne. Heute im richtigen Rhythmus, dem stets aufbauenden Wetter zu folgen, war der Schlüssel zum Tag - aber durchweg gelingen wollte das niemandem.

Alle Klassen bekamen Racing-Aufgaben zwischen 305 km (Club) und 400 km (18m) nach Süden und Westen. Dies fanden wir alle relativ ambitioniert, aber der Meteorologe Jan Horak (ein wirklich lustiger Kerl) war sich seiner Sache sicher.

Die Clubklasse haben wir aufgrund des unsicheren Wetters, des starken Windes und der langen Aufgabe auf einen frühen Abflug eingestellt. In der Vierer-Konstellation, die schon am dritten Wertungstag so erfolgreich war, flogen sie nach kurzer Wartezeit als erste ab. Der Hauptpulk der Klasse wartete allerdings noch deutlich länger - sie begannen erst 30 bis 60 Minuten später mit der Aufgabe. Dies hielten wir für zu riskant.

Tatsächlich konnten unsere Pilotinnen den Vorsprung über einen Großteil der Aufgabe aufrecht erhalten und stellenweise noch vergrößern. Leider gerieten sie dann zufällig zur falschen Zeit an den falschen Ort, wurden etwas aufgespalten und mussten hinnehmen, dass die Verfolger kurz vor dem letzten Wendepunkt in wieder aufbauenden Bedingungen etwas an sie heran kamen. Schließlich landeten Sarah, Sabrina und Ines immer noch deutlich vor dem Hauptfeld, konnten aber den riesigen Zeitunterschied nicht ganz halten. Das Wetter am Platz und auf Kurs spielte verrückt mit abwechselnd Schauer-Optik, Blau und Hammerwetter. Fazit: Früher Abflug mit wenig Risiko war grundsätzlich richtig.... - Glück für den Pulk!

In der 18m-Klasse flog Sandra als erste ab, blieb einen Großteil des Fluges alleine, und dies wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Nun ist sie ca. 35 km vom Platz entfernt außengelandet. Katrin blieb beim Pulk, der angesichts der langen Aufgabe auch auffällig lang mit dem Abflug wartete. Mithilfe dieser "Reisegruppe" war die Aufgabe gut möglich, wie die Pilotinnen berichten. Am Ende behielt Katrin sogar knapp die Oberhand und erreichte den Tagessieg mit 91,5 km/h!

Der Standardklasse galt heute die besondere Sorge von Wolli und mir. Schließlich hatten Conny Schaich und ihr Team uns heute Abend zum Essen im Camp eingeladen! Umso mehr mussten wir zittern, als wir im Tracking mitbekamen, dass die Aufgabenlegung der Standardklasse (337 km) wiederum durch lokale negative Effekte am unglücklichsten war. Recht langsam kämpfte sich der Pulk - meist mit Ulrike und Conny an der Spitze - um die vier Wendepunkte. Ulrike bekam schließlich einen kleinen Rückstand, als es an der letzten Wende notwendig wurde, 20 km 90 Grad vom Kurs abzubiegen, um überhaupt in der Luft zu bleiben! Dennoch schafften es unsere Mädels gemeinsam mit einigen - aber lange nicht allen! - anderen Pilotinnen nach Hause. Die erste Landung der Standardklasse erfolgte trotz zeitigem Abfluges erst um 18:40 Lokalzeit.

Wolli und ich sind froh. Einerseits aufgrund der guten Leistungen unserer Pilotinnen heute, die allesamt zufrieden von einem schönen und vielfältigen, aber auch anstrengenden Flug berichten.

Andererseits vor allem aber auch, da nun mit Conny's Ankunft das Abendessen, das lange auf dem Spiel stand, für uns gesichert ist.

Morgen sieht es nach Hammerwetter aus... das Briefing wurde um eine Stunde vorverlegt, der erste Start wird auf 10:30 geschätzt! Ich bin gespannt, ob der Meteorologe weiß, was er tut.