Neue Trainer für den Spitzensport

Segelflug-Bundestrainer Wolli Beyer setzt mit A-Trainer-Lehrgang Akzente

Zwölf B-Trainer nutzten den hochkarätigen Ausbildungslehrgang, um auf Grundlage der DAeC Rahmenkonzeption ihre Lizenz auf die A-Stufe zu erweitern. Sieben Trainer und zwei Trainerinnen absolvierten an zwei langen Wochenenden und während einer kompletten Woche erfolgreich ihre 90 Unterrichtseinheiten. Weitere drei werden ihre Ausbildung in Kürze abschließen, und haben dann die Qualifikation für die Gestaltung von systematischen, leistungsorientierten Trainings-prozessen bis hin zur individuellen Höchstleistung. Ihre Aufgabenschwerpunkte werden Planung, Organisation, Durchführung und Steuerung des Anschluss- und des Hochleistungstrainings sein.

Mit einem motivierenden Einladungstext zum A-Trainer-Lehrgang und dem Hinweis auf den Veranstaltungsort war es Bundestrainer Wolli Beyer gelungen, zwölf A-Trainer-Anwärter, einen A-Trainer zur Fortbildung und einen B-Trainer-Anwärter für zwei lange Wochenenden im November und Februar an die Sporthochschule der Friedrich-Alexander-Universität nach Erlangen zu locken. Und selbst die nachgereichte komprimierte Agenda, die Ankündigung einer „Hausarbeit“ und einer Prüfung, konnte keinen von uns Teilnehmern davon abgehalten, sich anzumelden. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn die professionellen Dozenten, die Wolli für den Lehrgang gewinnen konnte, beeindruckten mit dem hohen Niveau ihrer Ausführungen und nahmen uns als herzlich willkommene Gäste in den Räumen der FAU auf.

Dort erfuhren wir sehr viel über Trainingswissenschaft, Trainingsmethodik und die Aufgaben des A-Trainers. Sportbiologie, Sportmedizin und Sportpädagogik waren ein weiterer Schwerpunkt, ebenso wie der Bereich Sportpsychologie, psychomotorische Leistungsfähigkeit und motorisches Lernen. Letzteres war trotz fundiert vermittelter wissenschaftlicher Grundlagen wegen der direkten Anwendbarkeit sehr kurzweilig und nachhaltig. Die anfangs schmerzhaften Übungen zur Faszienlockerung, gefolgt von der Erfahrung deutlich besserer Mobilität bei den praktischen Übungen und das Wiederentdecken längst vergessener Muskeln, sind ebenso leicht anwendbar wie die Entspannungs- und Meditationsübungen und bleiben als echte Highlights in Erinnerung. Auch die detaillierte Beschreibung der in Segelfliegerkreisen in Vergessenheit geratenen sportmedizinischen Untersuchung und ihrer Notwendigkeit für Spitzensportler war in der dargebotenen Form äußerst spannend und interessant. Besonders die Vorträge über Achtsamkeit, Konzentration, Motivation und Kommunikation führten zu vielen gehaltsvollen und lebhaft geführten Diskussionen.

Zum dritten Lehrgangsteil beorderte uns der Bundestrainer in der Woche vom 17. bis 24. März 18 nach Vinon sur Verdon in die französische Haute Provence. Das hörte sich verlockend an, kann man dort doch die mitteleuropäische Segelflugsaison früh eröffnen und „Praxis“ ist ja die Krönung unseres Sports. Bei dieser Erwartung wurden allerdings die Agenda mit noch 49 Unterrichtseinheiten, den Präsentationen der Hausarbeiten zu segelflugspezifischen Themen, der Prüfung, die Vorbereitung und Durchführung des Tagesbriefings und nicht zuletzt der „Challenge“- Aufgaben ausgeblendet!

Letztere sind ein Ergebnis von Wolli‘s Kreativität zur Umsetzung seiner Forderung: „Leistungstrainer müssen ihr Fachwissen spontan abrufen und präsentieren können“.

Die Regeln für diese stressabbauende Maßnahme waren einfach: Eine Glücksfee zog aus einer Urne einen Teilnehmernamen, und aus einer anderen Urne eine Aufgabe, wie z.B. „Warum bist du oder dein Trainee im Wettbewerb nervös, und wie gehst du damit um?“ Der Ausgeloste erhielt dann 20 Minuten Zeit für die Aufgabenbearbeitung und durfte diese anschließend 10 Minuten lang präsentieren. Um es abzukürzen: Die Lehrgangswoche war täglich von 9 bis 20.30 Uhr dichtgepackt mit theoretischen und praktischen Aktionen aller Teilnehmer, denn auch die lehr- und erlebnisreichen Flugübungen wurden in wechselnden Trainer- und Traineerollen durchgeführt - selbstverständlich inklusive Briefing und Debriefing im Flugteam.

Als tragende Stütze des flugpraktischen Teils engagierte Wolli den in den französischen Seealpen äußerst orts- und wetterkundigen bayrischen Landestrainer Dr. Claus Triebel, der den fliegerischen Horizont seiner Trainees erweiterte. M.Sc. Sportpsychologin Lorea Urquiaga gestaltete die Tagesprogramm-Abschlüsse mit wohltuend wirkungsvollen 20-minütigen Meditationen im Seminarraum des Maison Blanche, welches uns die Bundeswehr-Luftsportgruppe um Fregattenkapitän Frank Strewinsky für Theorieunterricht, Unterkunft und Aufenthalt großzügig bereitstellte.

Rückblickend können wir feststellen, dass sich trotz der Dichte des Lehrgangsprogramms und unserer permanenter Herausforderungen eine oft entspannte, und rundum harmonische und familiäre Atmosphäre ausbilden konnte, die den gesamten Lehrgang zu einem unvergesslichen „Aktivurlaub“ werden ließ. Unserem DAeC-Chefcoach ist dies gelungen durch eine perfekte inhaltliche und organisatorische Vorbereitung des Programms und der Lehrgangsrahmenbedingungen, sowie durch seine fordernde, aber dennoch zurückhaltende Lehrgangsmoderation. Damit hat er auch für das Coaching von Teams bei internationalen Wettbewerben inhaltlich und atmosphärisch Maßstäbe gesetzt.

Die Lehrgangsteilnehmer bedanken sich beim Bundestrainer Wolfgang Beyer, bei den Dozenten Dr. Leo Fraunberger, Dr. Heiko Ziemainz, Titus Czyz, Lorea Urquiaga und Dino Poimann, beim Bayrischen Landestrainer Dr. Claus Triebel, sowie bei der Bundeswehrluftsportgruppe um Fregattenkapitän Frank Strewinsky für ihren Einsatz und ihre Unterstützung.