Ich denke es ist mal an der Zeit nach einem ersten Jahr eine vorsichtige Zwischenbilanz des Trainerstabes zu ziehen und die Arbeit und Ergebnisse zu bewerten.
Als ich im Januar 2021 das Amt übernommen habe, war mir nicht klar in welches Wespennest ich geworfen worden bin. Auf einmal waren wir sogar Gespräch für einen Artikel im Aerokurier, was unsere Arbeit auch im Trainingslager in Südfrankreich ein wenig beeinflusst hat. Worte wie Krabbelgruppe fielen, ohne das eigentliche Konzept überhaupt kennengelernt zu haben. Egal wir sagten uns - nach vorne schauen, da es viel zu tun gab.
Das Konstrukt Sportsoldat ist schon was Besonderes und bedarf ein paar Erklärungen. Die Bundeswehr stellt im Rahmen der Spitzensportförderung Soldaten ein und die Fachverbände sind für die fachliche Ausbildung zuständig. Da ich selbst aktiver Soldat bin und mich hier schnell zurecht fand, suchte ich beim Fachverband nach Konzepten und Ressourcen für das Training. Um es kurz zu sagen: es gab kein Trainingsplan mit konkreten Zielen für die Ausbildung. Die Ressource der Doppelsitzer V8 & V9 des Fördervereins der Sportsoldaten löste sich über Nacht in Luft aus, so wie die Zusammenarbeit durch den alte Co-Trainer kategorisch ausgeschlagen wurde. Auf die Frage an die BuKo nach Geld, war man der Annahme, dass der Wehrsold ausreichen muss. Also starteten wir ins Jahr 2021 mit leeren Händen - ohne Flieger und überschaubaren finanziellen Mitteln.
Erster Auftakt war die Erstellung einer Mindmap mit vielen Wechselwirkungen für ein effizientes aber komplexes und anspruchsvolles Training. Wolli war zu dieser Zeit dabei, die Rahmentrainingskonzeption zu schreiben und wir haben diese Ansätze übernommen und auch gleich getestet.
Es stand von nun an das Wettbewerbstraining im Vordergrund mit all seinen vielen Facetten, Punkte in der DMSt und OLC standen nicht mehr im Mittelpunkt. Neben einer ersten Eingangsbestimmung der Trainees standen auch spätere Ausarbeitungen und Analysen der Wettbewerbe und Trainings im Focus.
Wir mussten uns eine Onlineumgebung schaffen, die uns erlaubte auch virtuell und verteilt miteinander zu trainieren. In allen diesen Dingen hat uns die Bundeskommission Segelflug machen lassen und uns vertrauensvoll unterstützt; sie war sehr aufgeschlossen, was unsere Vorschläge anging, die einen quasi einen Paradigmenwechsel einläuteten.
Höhepunkt des Jahres war die Juniorenqualifikation in Burgfeuerstein, um hier eine Platzierung zu erfliegen, die eine Übernahme in das C-Kader ermöglichte. Wir haben es auf Anhieb geschafft, zwei Sportsoldaten erfolgreich zu platzieren. Ein erster sichtbarer Erfolg unserer Arbeit!! Da auch Sportsoldaten des Vorjahres mitgeflogen sind und für 2021 Stipendiaten, die unter dem alten Regime trainiert wurden, wurde ein direkter Vergleich möglich.
Zum Entspannen wurde dann nach der DMJ ein Teamtraining zum Segeln an die Marineschule Mürwik eingebaut, um hier das Segeln im Team zu erlernen und weiteren Feinschliff am Training für Südafrika vornehmen zu können. Das war für alle neu und hat viele Erkenntnisse für das Training gebracht. So schlecht konnte die Krabbelgruppe ja nicht gewesen sein !
Wir haben in dem ersten Jahr viele Herausforderungen meistern müssen und das Team hat sich eingeschwungen. Auch haben wir konzeptionell einiges auf den Weg gebracht, von dem ich nur einiges nennen möchte:
- Klare Aufbau und die Ausrichtung eines standardisieren Trainings an den Wettbewerb mittels Missioncards
- Engere Verzahnung mit der Bundeswehr und der Bundeswehrflugsportvereinigung am Stützpunkt Vinon
- Überarbeitete Version der Förderung des Luftsportes in der Bundeswehr (z.B. Unterstützung durch Reservisten für die Sportsoldaten)
- Verzahnung Sportsoldaten mit dem C-Kader – Schaffen von Synergien
- Training in Südafrika und Teilnahme South African Nationals
- Ausbildung zum Fluglehrer und Qualifikation zum C-Trainer
Wir freuen und auf die Saison 2022 die mit vielen Wettbewerben bereits durch die Sportsoldaten ausgeplant wurden. Highlights sind die Deutsche Meisterschaft, die Qualifikationen sowie Sailplane Grandprix in Boras, Eisenhüttenstadt und Vinon.
Frank Strewinsky
